Was heißt es introvertiert zu sein?

Ich bin durch und durch introvertiert und es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Du oder jemand den Du kennst auch introvertiert ist. Als Kind wurde ich oft schüchtern genannt. Das war allerdings eine Fehlannahme, die ich selbst auch lange pflegte. Ich erinnere mich daran, dass ich oft gerne in mein Zimmer geflüchtet wäre, wenn Menschen geklingelt haben. Oftmals habe ich mich auch gerne mit einem Handheld beschäftigt, während andere im Raum saßen und sich unterhielten. Ich wollte einfach nicht mit anderen Menschen in dem üblichen Maße interagieren, die ich noch nicht in meine unmittelbare Wohlfühlzone eingeladen habe.

Solltest Du mein Nachbar sein, dann entschuldige bitte. Ich habe wie üblich die Türklingel abgestellt und öffne die Tür meistens nur, wenn ich den Postboten erwarte oder sich jemand mit einer Textnachricht angekündigt hat. Sollte jemand trotzdem klingeln oder klopfen, so öffne ich meistens die Tür erst, wenn ich einen Blick durch das Fenster geworfen habe. Wenn ich niemanden erblicken konnte, bleibt die Tür meistens zu und ich verstecke mich und bin ruhig, bis die Person weg ist. Das Gleiche gilt auch für unerwartete Telefonanrufe, die eher die situationsbedingte Dynamik stören und eher weniger als Freude empfunden werden.

Was ist Introversion? Introvertierte Menschen richten ihre Aufmerksamkeit und Energie stärker auf ihr Innenleben. In größeren Gruppen verhalten sie sich eher passiv und beobachten dabei die Situation ohne sich dabei an sozialen Interaktionen zu beteiligen oder selbst eine Interaktion zu initiieren. Introvertierte Menschen werden von Fremden meistens als still, bedächtig und Schüchtern wahrgenommen. Introvertiert geprägte Menschen brauchen sehr viel Zeit für sich und fühlen sich nach längerer Zeit unter vielen Menschen energielos und ausgesaugt. Sie bevorzugen daher gerne Orte an denen Sie alleine sind, wie zum Beispiel Wälder, Parks oder ihre Wohnung. Diese Zeit wird von Introvertierten als erholsam beschrieben.

Manch einem mag das seltsam vorkommen. Zusammenfassend können die folgenden Punkte vielleicht helfen einen introvertierten Menschen zu verstehen:

Introvertierte sind nicht schüchtern

Schüchternheit ist ein allgemeiner Begriff für ein ruhiges Verhalten eines Menschen, der sich in einer Gruppe von Menschen nicht öffnen kann. Dabei sind Introvertierte Menschen, die ihre Kraft aus dem Alleinsein ziehen und diese Energie verblasst , wenn Introvertierte unter Menschen sind oder sein müssen. Introvertiert sein heiß nicht, dass man Angst vor Menschen hat. Es ist viel mehr wie ein Schalter, der das Sozialverhalten einschränkt, wenn der Introvertierte von Menschen umgeben ist, die noch keinen Zugang in die Wohlfühlzone des Introvertierten erhalten haben.

Introvertierte sind weder Snobs noch Schnösel

Es ist eine nicht unerheblich große Herausforderung für Introvertierte sich in eine Gruppe von Menschen zu integrieren oder eine zufallsbedingte Konversation zu starten. Es ist viel einfacher für sie für sich selbst zu bleiben, das heißt nicht, dass sich Introvertierte für etwas Besseres halten. Es heißt einfach nur, dass sich Introvertierte in solchen Situationen nicht wohl fühlen.

Introvertierte sind gerne unter Freunden

Ist der Introvertierte von Freunden umgeben, die den Sprung in die Wohlfühlzone des Introvertierten geschafft haben, kann er laut sein und eine Freude für sich und andere sein. Soziale Interaktion mit der richtigen Gruppe kann sehr viel positive Energie für ihn freisetzen. Sollte ein Fremder zur Gruppe hinzustoßen, kann diese Energie schnell in das Gegenteil umschlagen und der Introvertierte verschließt sich schnell wieder.

Introvertierte sind Selbstbeobachter

Siehst Du Introvertierte still und für sich rumsitzen, sind sie vermutlich gerade tief in Gedanken. Manche spielen dann Situationen durch, wie sie sich in eine Gruppe einbringen können oder wie schwierig es wird sich gerade in dem Moment in die anwesende Gruppe einzubringen. Introvertierte haben einen sehr kraftvollen Verstand und setzen ihn häufig viel zu hart ein, um eine Situation für sich selbst zu erklären. Das macht es ihm sehr schwer sich zu entspannen und die positive Energie fließen zu lassen.

Beobachtung und Verständnis ist wichtig

Wenn Du einem Menschen begegnest, egal wie alt, von dem Du denkst er sei schüchtern oder snobistisch, denk zweimal darüber nach, bevor Du ihn zu schnell vorverurteilst. Introvertierte brauchen Verständnis und Unterstützung. Versuche aber nicht ihn herauszufordern oder zu einem anderen Verhalten zu motivieren. Das wird nicht funktionieren und er wird sich sehr schnell verschließen. Sei besonnen und freundlich, denn das kann wahre Wunder bewirken.

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