Star Wars Episode VII – Das Erwachen der Fanfiction

„Das war die schlimmste Episode überhaupt. Ich gehe nur noch dreimal rein… heute!“, so oder so ähnlich hat der Comic-Buch-Verkäufer aus Springfield gesagt, als er aus der ersten Vorstellung von Randal Curtis‘ neuer Episode der Cosmic Wars Saga kam. Ich war diese Woche dreimal in Star Wars Episode VII – Das Erwachen der Macht. Meinen ROTS-Rekord werde ich wohl nicht mehr brechen. Den Abschluss des Prequels habe ich auch dreimal in der Eröffnungswoche gesehen. Meine folgenden Eindrücke sind nicht spoilerfrei.

Die Sets

Die Bilder, die uns der Film serviert sind ungewöhnlich klar und detailreich. Die Szenen sind gefüllt mit vielen kleinen Details, die jedem Star Wars Fan sofort vertraut vorkommen. Hier gibt es einen Droiden, den man sofort der OT zuordnen kann und da gibt es Requisiten, die man ebenso aus der alten Triologie kennt. Die Kostüme und Waffen haben sich, obwohl laut Timeline rund 30 Jahre vergangen sind, kaum verändert. Hier und da sind kleine Veränderungen zu sehen aber die Verbindung zu Episode IV bis VI ist kaum zu übersehen. Episode VII wirkt allerdings zu irdisch. George Lucas hat immer neue Welten geschaffen, wenn sie auch meistens immer nur eine Klimazone kannten, so hat er doch immer wieder Welten geschaffen, die es so nicht gab. Lucas bot uns Dagobah, Utapau, Mustafar, Geonosys, Kamino und viele weitere Planeten, die man in jedem einzelnen Bild bewundern konnte, weil sie etwas Unbekanntes boten. Alle Welten in Episode VII waren sehr irdisch. Ich fand das sehr enttäuschend. Die gezeigten Welten können jeder Zeit in Europa besucht werden. Das meiste davon habe ich gesehen und fand nichts Unbekanntes. Jakku hätte darüber hinaus auch Tatooine sein können. Die Bauwerke waren gleich und die Hardware, die durch die Gegend lief, unterschied sich auch nicht sonderlich. Takodana hätte auch Naboo sein können. Schon etwas mehr Fauna hätte mich zufrieden gestellt.

Die Charaktere

Rey ist der Hammer. Sie ist der neue Luke. Sie wurde auf einem Wüstenplaneten (Jakku) zurückgelassen und schlägt sich von nun an irgendwie durch. Rey ist eine Bastlerin und erinnert sehr an den jungen Anakin, der schon in jungen Jahren wusste, wie man einen Pod-Racer oder einen Protokolldroiden zusammenbaut. Die Schrottsammlerin von Jakku entdeckt im Film sehr schnell ihre Fähigkeiten, als die Macht in ihr erwacht. Rey ist unabhängig und man versteht sehr schnell, dass sie nicht die hilflose Jungfer ist, die auf den Ritter in glänzender Rüstung wartet. Sie packt selbst an und braucht keine Hand, die sie halten kann. Rey ist das Highlight des Films und ich fresse einen Besen, wenn sie keine Skywalker ist.

FN2187 oder Finn ist ein desertierter Stormtrooper, der sehr schnell erkennt wie schrecklich das Verhalten der First Order ist. Finn erweist sich sehr schnell als wichtiges Mitglied des Widerstands. Er ist witzig und seine unbeholfene Art ist manches Mal einen Lacher wert.

Kylo Ren ist für mich die Enttäuschung des ersten Teils. Als Bösewicht ist er ein Witz. Es besteht aber die Möglichkeit, dass es so gewollt ist, denn Kylo ist erst am Anfang seiner Reise zum Sithlord. Einige wichtigen Meilensteine hat er schon hinter sich gebracht. Wenn Kylo seine Maske trägt, wirkt er manchmal sehr lächerlich, weil der Helm im Vergleich zu seiner Körpergröße viel zu klein ist. Vaders Helm ging fast bis in den Nacken aber Kylos Helm endet schon auf Kinnhöhe. Adam Driver ist ein großartiger Schauspieler und ich habe ihn als Kylo Ren nur ernstgenommen, wenn er den Helm nicht trug. Dadurch, dass er gelegentlich in der Hocke saß, wirkte er unnötig klein und wenig bedrohlich. Vader stand die meiste Zeit in seiner beeindruckenden Größe und zog immer die Aufmerksamkeit in einem Raum auf sich. Kylo wirkte eher wie ein kleiner, peinlicher Junge, der mit aller Macht versucht in die Fußstapfen seines Vorbilds zu treten und dabei immer wieder scheitert. Seine Wutausbrüche waren ebenso lachhaft. Als er den Folterraum mit seinem Lichtschwert zerdepperte habe ich ihn ausgelacht. Da muss mehr kommen in der Charakterentwicklung, sonst ist er einfach nur ein Facepalm wert.

Die Besetzung

Die Besetzung ist göttlich. Ich könnte gegen keinen einzigen Schauspieler was sagen. Der Anteil an britischen Schauspielern ist recht hoch und deckt sich völlig mit meinen Wünschen. Der Cast ist einzigartig gut. Ich hätte einigen Schauspielern mehr Screentime gewünscht, weil ich sie gerne gesehen habe.

Die Geschichte

Die Geschichte ist recht einfallslos und wirkt eher wie ein Reboot von Episode IV. X lebt auf einem Wüstenplanet als Waise, X findet einen Droiden, trifft auf einen alten Held, begleitet alten Held zu Superwaffe, alter Held stirbt durch Bösewicht, Superwaffe wird vernichtet. Die Geschichte unterscheidet sich nur in Kleinigkeiten. Eine neue Hoffnung verhält sich zu Das Erwachen der Macht, wie Total Recall zum Total Recall Remake – anders aber doch gleich.

Fazit

Star Wars endete 2005 mit Rache der Sith. Jetzt bekommen wir eine Ladung Fanfiction von Filmliebhabern, die noch nie ein einziges Star Wars Buch gelesen oder gesehen haben. Ben war der Sohn von Luke und Mara Jade Skywalker und nicht der Spross von Han und Leia. Es wurde ja von Disney angekündigt, dass das alte Expanded Universe ab ROTJ ungültig ist. Das war seiner Zeit kein Problem für mich aber ich habe auch nicht erwartet, dass das EU abgeschlachtet wird wie Onkel Owen und Tante Beru. Versteh mich nicht falsch. Ich habe mich gefreut wie Luke in der Schrottpresse, als es hieß, dass Chewie wieder lebt aber das habe ich nicht erwartet. So traurig, wie damals nach Chewies Tod war, so traurig war ich nach Hans Tod. Ich habe während des (jedes Mal) Films geheult und habe drei Tage getrauert. Es war ein Stich ins Herz meinen alten und liebsten Helden sterben zu sehen. So wie Han starb, so starb auch Star Wars. George Lucas hat immer wieder etwas Neues gemacht und ist damit auch manchmal an der Gunst des Publikums gescheitert. JJ Abrams hat lieber auf Sicherheit gespielt und ist kein Risiko eingegangen. Er hat die Popcorn-Cineasten bedient und mehr nicht. Der durchschnittliche Fan scheut anscheinend Veränderungen und Entwicklung. Ich freue mich künftig auf die Star Wars Fanfictions und nehme alle mit. Ich werde die Filme aus dem selben Grund schauen, warum ich Fanfictions gelesen habe: Ich wollte, dass die Geschichte noch nicht auserzählt ist, weil sie mir im Leben immer sehr wichtig war und mir auch immer noch ist. Leia, Han und Luke sind ein Teil von mir.

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