Fitze Fitze Fatze – Aufregung und Realismuskritik

„Die Welt ist ein Jammertal“ heißt es in Helge Schneiders Lied „Fitze Fitze Fatze“. Warum verkommen Gamer immer mehr zu jammerndem Gestalten, die sich sinnlos über jede Kleinigkeit aufregen und ständig versuchen eine Kampagne loszutreten?

Ausschlaggebend für meine Frage war die Kritik eines Twitterers, auf die Bethesda Stellung bezog:

There’s also the ‚Kid in a Fridge‘ quest where a ghoul kid survived 200 years in a fridge without food or water. How’d he do that?

Übersetzung:

Es gibt auch eine ‚Kind im Kühlschrank‘ Aufgabe, in der ein Ghul Kind 200 Jahre in einem Kühlschrank ohne Essen oder Wasser überlebt. Wie würde es das können?

Peter Hines, VP von Bethesdas PR und Marketing, antwortete folgerichtig darauf mit:

not interested in discussing how realistic things are in an alternate universe post-apoc game w/ talking mutants and ghouls

Übersetzung:

Bin nicht interessiert an einer Diskussion, wie realistisch Dinge in einem alternativen, postapokalyptischen Spiel mit sprechenden Mutants und Ghuls sind.

Die bessere Antwort auf den „Vorwurf“ wäre keine Antwort gewesen. Don’t feed the Trolls.

Wie sinnvoll ist ein Ruf nach mehr Realismus in einer fiktiven Welt, die offensichtlich ihre eigenen Regeln aufstellt? Fantasy und Science Fiction haben in den letzten Jahrzehnten ihre eigenen Stereotypen geschaffen und halten teilweise sklavisch an ihnen fest. Stereotype unterliegen einfachen Regeln und Bedingungen, die Personen oder Gruppen fest zugeschrieben werden. Der Ghul kennt da auch seine festen Regeln in der Literatur, die mir aber weniger starr vorkommen, wie die eines Elfen. Der Ghul aus dem persisch-arabischen Kulturkreis ist ein Formwandler, der Reisende in der Wüste von ihrem Kurs abbringt, um sie dann zu verschlingen. Durch die Erzählungen aus „Tausendundeine Nacht“ schaffte es der Ghul vermutlich nach Europa und erhielt seine abgewandelte Geschichte und wurde zum leichenfressenden Dämon. Mit dem Ghul aus der Mythologie hat der Ghul aus Fallout nur wenig bis gar nichts gemeinsam und ich nehme einfach mal an, dass Ghule nie existiert haben und nichts anderes sind als Schauermärchen, die sich verselbstständigt haben. So frech bin ich jetzt einfach mal.

Wo bezieht der Streuner aus The Walking Dead seine Energie her, wenn er seit Jahren in einem Steinbruch durch die Gegend schlürft und dabei seine Kumpels nicht verputzt? Es gibt natürlich zahlreiche Beispiele, bei denen jeder ebenso zahlreiche Logikbrüche feststellen kann aber es zählt in einer ausgedachten Welt eben nicht, ob etwas logisch ist oder nicht. Ein Autor hat sich dabei wahrscheinlich etwas gedacht. Ob die Entscheidungen und erfundenen Regeln gefallen, ist die Sache des Lesers, Hörers oder des „was auch immer“. Auf jeden Fall erinnere ich mich nicht an eine Situation aus Fallout, die eine zwingende Nahrungsaufnahme von Ghulen in dieser postapokalyptischen Welt beschreibt. Sollte es diese Situation gegeben haben, bitte ich um einen Kommentar oder eine eMail.

Kann man eigentlich darauf wetten, ob ein Spiel nach seiner Veröffentlichung zerrissen wird? Je höher die Erwartungen an ein Spiel sind, umso mehr wird jeder kleine Fehler auf die Goldwaage gelegt. Die meisten Vertreter des Spielejournalismus versagen erwartungsgemäß auf ganzer Linie und freuen sich über jede Schlagzeile, die den Namen des Blockbusters trägt. Jeder Klick ist schließlich Gold wert. Und so dreht sich die Spirale des Jammerns immer weiter. Der Troll freut sich über die Beachtung und der Journalismus freut sich über die Klicks.

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