Ein Boykott, der mich trifft

Am 23. April 2015 läuft Marvels Avengers 2: Age of Ultron in den deutschen Kinos an. In ganz Deutschland? Nein, ein kleines Land, voll mit unbeugsamen Saarländern, verzichtet auf das Kinohighlight des ersten Halbjahrs 2015, weil der Disney Filmverleih die Preise neugestaltet haben soll. Mein bevorzugtes Kino in Saarlouis boykottiert den Marvel Blockbuster gänzlich. Der Boykott trifft die Kinos in Lebach, St. Wendel, Illingen und – wie erwähnt – Saarlouis. Das Saarbrücker Cinestar scheint den Boykott nicht mitzumachen und hat bisher nicht auf meine Anfrage geantwortet oder einen Hinweis auf der Website geführt. Deutschlandweit sollen es bis zu 200 weiteren Kinos sein.

Auf dieses Kinohighlight habe ich mich sehr gefreut und wollte den Film recht zeitnah anschauen und muss jetzt wohl die Veröffentlichung auf Bluray abwarten.

Leider trifft diese Aktion die kleinen Kinobetreiber, die sich wacker in ihren kleinen Dörfern schlagen. Großen Kinoketten dürfte es wesentlich leichter fallen die neuen Preise zu stemmen, als dem kleinen Kinosaal um die Ecke. Meine Patentante hat in meinem Heimatort vor vielen Jahren das kleine Dorfkino betrieben. Es war klein und sympathisch. Als Kind durfte ich immer über eine kleine Treppe und einen Außenbereich in den Vorführraum und durch die kleine Glasluke auf die große Leinwand starren. Das Kino war nicht groß aber es wurde gerne von den Bürgern des Ortes und den angrenzenden Dörfern besucht. Die Preisgestaltung lies genug Luft, um auch mal einen schwachen Besucherandrang zu überstehen. Leider wurde mit der Veränderung des Marktes auch der Betrieb des Kinos immer mehr unmöglich.

Wenn ich jetzt den Film sehen wollen würde, müsste ich nach Saarbrücken fahren. Das hieße für mich 64,1 km und 45 Minuten pro Weg. Prinzipiell habe ich als Autofahrer kein Problem mit Distanzen, aber viele werden sich den Film nicht ansehen wollen, weil der Aufwand dafür einfach zu hoch ist und der Filmverleih schadet sich damit vermutlich selbst.

Heute wird gerne der Raubmordvergewaltigungsterrorismuskopierer für die Entwicklung des Preises als Sündenbock herangezogen. Sieht man sich allerdings die Liste der am meisten verbreiteten, illegalen Downloads an, wird man sehr schnell feststellen, dass die Filme mit den höchsten Downloadzahlen auch die Filme sind, die den höchsten finanziellen Erfolg erzielt haben. 2013 führte Der Hobbit die Charts mit rund 8,4 Millionen Downloads an und spielte über eine Milliarde US-Dollar weltweit ein. Nicht jeder, der den Film runtergeladen hat, würde auch ins Kino gehen. Man muss dabei auch noch darauf hinweisen, dass im Einspielergebnis noch keine Umsätze mit DVD und Bluray oder Merchandising enthalten sind. Laut unterschiedlichen Quellen lag das Budget bei 200 – 315 Millionen US-Dollar. 

In einer Gesellschaft, in der das Wachstum als zwingende Tatsache angesehen ist, kann man in diesem Fall von Maßlosigkeit sprechen. Von Verlust kann man kaum sprechen. Das wird auch Avengers 2 nicht.

Ich zeige mich, auch wenn es schwer fällt, solidarisch mit dem kleinen Kino um die Ecke und werde auf Avengers 2: Age of Ultron verzichten und hoffe, dass sich etwas bewegen wird.

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich das illegale Downloaden von Mediendateien, egal welcher Art, nicht gutheiße und nicht unterstütze. Allerdings wundere ich mich nicht, wenn trotzdem heruntergeladen wird.

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